Versuch

Es war einmal in einem einsamen kalten Land, da lebte ein kleines Mädchen, das hieß Elisabeth. Sie hatte schwarze Haare und sehr blasse Haut. Sie lebte zusammen mit ihren Tieren in einer kleinen Hütte im Wald. Sie war zwar arm, aber zufrieden.
Bis eines Tages eine böse Hexe vorbeikam und ihr von einem Land jenseits des Horizonts erzählte.
Elisabeth hörte ihr zu und fand gefallen an dem Land.
Dort gab es nur Sonnenschein und Wärme und alles wovon man nur träumen konnte und Elisabeth wollte das Land sehen.
Sie fragte die Hexe, ob es eine Möglichkeit gäbe, dorthin zu gelangen und die Hexe nickte.
Elisabeth müsse dafür etwas hergeben, sagte sie. Dem Mädchen war es egal, sie würde alles tun, um jenes Land zu sehen.
Also gab sie der Hexe ihre Tiere, das einzig wertvolle das sie besaß, doch der Hexe war es nicht genug.
Sie brachte Elisabeth dazu, ihr ihre Seele zu überlassen.
Zuerst bemerkte Elisabeth nicht, was sie getan hatte und brach in das Land hinter dem Horizont auf.

Sie durchquerte Wälder, Berge und Täler und freute sich auf das, was vor ihr lag.
Doch unterwegs traf sie andere Lebewesen.
Der erste, den sie traf, war der Wolf. Er erzählte ihr von einer alten Frau, die böse Dinge tat und Lügen erzählte. Sie winkte ab und meinte, es gäbe nichts Böses auf dieser Welt.
Der zweite war ein Zwerg, der sich ihr anschloss, weil er sich Sorgen um das Mädchen machte, das da so sorglos durch die Welt marschierte und einen Ort suchte, an dessen Existenz er selbst nicht glauben konnte.
Der dritte war eine kleine Fee, die ihnen heimlich Glück hinterher zauberte, auf das Elisabeth den Weg zurück finden möge und auf das ihr die Augen geöffnet würden.

Der Zwerg und Elisabeth wanderten weiter und weiter, bis sie das Ende der Welt erreicht hatten, den Horizont. Doch der Zwerg konnte kein Land dort sehen, nur eine große Leere.
Elisabeth jedoch starrte verzaubert auf das, was sich vor ihren Augen abspielte und verstand die Missmutigkeit des Zwerges nicht.
Sie machte einen Schritt auf das Land zu, doch der Zwerg riss sie am Arm und wollte sie zurück halten. Sie ließ sich nicht beirren und schüttelte den Zwerg ab. Dann sprang sie in das Nichts und der Zwerg konnte sie nicht mehr sehen.
Er war versucht ihr hinterher zu springen, doch da kamen der Wolf und die Fee, die alles beobachtet hatten und sprachen zu ihm.
„Es ist nicht deine Schuld. Wir alle haben sie gewarnt und versucht sie zu retten. Jetzt kann niemand ihr mehr helfen, außer…“

Hundert Jahre, einen Tag später und hunderte Meilen von dem Rand der Welt entfernt schrak der Prinz aus seinem Traum hoch. Er hatte von einer Fee geträumt die zu ihm sprach und ihn bat, jemanden zu suchen, der sich in Gefahr befand und seine Seele verloren hatte.
Er solle diese Person suchen und sie mit in sein Schloss nehmen.
Außerdem solle er die Seele zurückholen und den Dieb für all seine Missetaten bestrafen.

Er packte seine Sachen und sattelte sein Pferd und machte sich auf den Weg.
Er traf den Wolf, der mittlerweile alt und weiß geworden war, und dieser schloss sich ihm an.
Er traf den Zwerg, der immer kleiner geworden war, und nahm auch diesen mit.
Er traf die Fee, die sich auf seine Schulter setzte, und nahm auch sie mit.
Gemeinsam kamen sie am Ende der Welt an und der Prinz fürchtete sich, weil er nichts sehen konnte.
„Dort musst du hinein.“ sprach die Fee und flatterte davon.
„Viel Glück.“ wünschte ihm der Wolf und stapfte auch davon.
Der Zwerg sagte nichts und schaute stumm in das Nichts.
„Willst du mir kein Glück wünschen, Zwerg?“ fragte der Prinz und sah den Zwerg an.
„Da draußen hilft dir kein Glück. Sie hatte auch kein Glück.“ Wisperte er und sprang ins Nichts.
Der Prinz starrte ihm hinterher und wusste nicht was er tun sollte

Und so stand er noch zwei Tage und starrte bis der Zwerg zurückkam, an der Hand eine wunderschöne junge Frau, die den Zwerg anlächelte.
Der Zwerg sah den Prinzen an.
„Eure Aufgabe ist erledigt. Bringt sie heim, sorgt für sie.“ sagte er mit traurigem Gesicht und ging.

Der Prinz brachte die Frau in sein Schloss und zeigte sie überall herum, erzählte, wie er sie gerettet habe.
Die Frau tat nie etwas anderes als stumm vor sich hin zu lächeln und durch alles hindurchzublicken. Nach einiger Zeit verlor der Prinz das Interesse an ihr und setzte sie vor die Tür.
Sie lächelte weiter und wanderte durch die Wälder. Niemand redete mit ihr, denn alle hatten Angst vor ihr.
Doch eines Tages kam sie zu einer kleinen zerfallenen Hütte mitten im Wald. Sie ging hinein und setzte sich auf den einzelnen Stuhl.
Sie sah aus dem verstaubten Fenster und eine einzelne Träne lief über ihre Wange.
Sie erinnerte sich, hatte ihre Seele zurück, dank des Prinzen, der sie wie ein Tier behandelt hatte.
Sie verließ das Haus und machte sich auf die Suche nach einem Freund.
Sie fand den Zwerg einsam in seiner Höhle und setzte sich leise zu ihm.
„Danke.“ Hauchte sie und küsste ihn auf die Wange. Der Zwerg blickt auf und siehe da, vor seinen Augen verwandelte das Mädchen sich in eine Zwergin.
Sie verliebten sich und lebten glücklich zusammen in der kleinen Höhle.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
8.2.07 21:16
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Chrissi / Website (11.2.07 12:43)
Süße Geschichte. Da kann man so schön träumen. Ich will auch so eine Geschichte

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